Die Jagd – Beute, Liebe, Paradies
Die frühesten Kunstformen zeigen Motivbereiche, die von der hohen, auch religiösen Bedeutsamkeit der Jagd für die Menschen zeugen. Während das Jagen fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch für das Überleben und die Weiterentwicklung maßgeblich war, hat es in modernen Gesellschaften seinen Stellenwert – auch als kulturelles Ereignis und Privileg – weitgehend eingebüßt. Die Ausläufer einer übermächtigen Verhaltenscodierung kehren aber sublimiert als Jagd nach Glück und Erfolg oder als Jagd nach einem Liebespartner wieder. Findet die uralte Beziehung des Menschen zum Tier und zum Töten darin ein Äquivalent? Kehrt die Struktur von Aufspüren, Verfolgen und Erlegen im Verhältnis von Mann und Frau zurück? Bei den alten Griechen ist die Jagd eine männliche Domäne, der aber die Göttin Artemis vorsteht. In ihren Liebesmythen offenbart sich die Bedeutsamkeit jägerischer Gesinnung, die auch für die sublimierte Jagd von heute ein paradiesisches Versprechen bergen könnte.